Wunderwelt Rituale

Wunderwelt Rituale

Machen Sie sich Gedanken darüber, ob sich die Kinder gut und schnell in den Kindertagesstättenalltag eingewöhnen? Gibt es erst lange Diskussionen bis die Kinder endlich für den Mittagsschlag bereit sind? Wenn Sie diese oder ähnlichen Fragen bewegen, dann lohnt es sich einen Blick in die Wunderwelt der Rituale zu werfen. Denn Rituale haben eine besondere Kraft. Die konsequente Arbeit mit Ritualen wird ihre Wirkung nicht verfehlen – weniger Stress für Sie und für die Kinder.

Was Rituale für uns bedeuten

Rituale haben noch immer etwas geheimnisvolles an sich, dabei praktizieren wir sie seit ewigen Zeiten. Unser Alltag- und Berufsleben ist voll davon.

Dennoch wurden Rituale zwischen 1970 und 1990 weitestgehend aus dem Schulalltag und dem Lernprozess verbannt. Sie galten als mystisch und irrational. Zeitlich passt dies genau in die sehr rational determinierte Zeit. Die Geschäftswelt definierte Erfolg allein an wirtschaftlichen Größen, die in Cent und Euro zu messen sind. In dieser Welt hatten Gefühle, Werte und Emotionen nur wenig Platz – denn sie entzogen sich dem Controlling.

In den letzten 5 bis 10 Jahren ist das Interesse an Ritualen, an ihrer Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten sprunghaft angestiegen. Auch im Alltag von Kindern gibt es wieder vielfältige Beispiele Rituale zu nutzen.

Was Rituale ausmachen: Sie sind sinnlich und sinnvoll gestaltete und Orientierung gebende Handlungen und Handelsweisen. Durch sie wird das Alltagsleben in der Familie und auch der Arbeitsprozess gestaltet. Rituale vermögen Geborgenheit, Sicherheit und Verbindlichkeit im Handeln und Verhalten zu schaffen. Sie stärken Beziehungen, Freundschaften und das Familienleben und geben für zeitliche und soziale Abläufe den Rahmen.Rituale

Warum Rituale so wertvoll für den Erziehungsprozess sind

Kinder lernen durch Nachahmung zunächst der unmittelbaren Bezugspersonen, später erweitert sich dieser Kreis. Wenn in diesem Bezugskreis Rituale vollzogen werden, dann werden die Kinder diese voraussichtlich übernehmen. Oftmals entfallen dadurch langwierige und umständliche Erklärungen oder gar Ermahnungen. Denken wir z.B. an Tischsitten. Sie können lange mit dem Kind über den Sinn und Zweck einer ordentlichen Essweise diskutieren. Sie können aber auch ein Ritual einsetzen und jeglicher Diskussion aus dem Weg gehen.

Kinder brauchen Orientierung. Der Rhythmus den unser Leben wesentlich ausmacht, ist ihnen fremd. Sie leben „nur“ hier und jetzt. Denken in der Vergangenheit und Zukunft ist ihnen zunächst unmöglich. Was ist ein Tag? Was ist eine Woche? Rituale erleichtern den zeitlichen Rhythmus gefühlsmäßig aufzunehmen.

Kinder brauchen ein hohes Maß an Geborgenheit. Das Sicherheitsbedürfnis wird zu einem wesentlichen Teil über Gewohnheiten befriedigt. Gerade Kinder, die täglich mit Unbekanntem konfrontiert werden erhalten durch Rituale Halt, Sicherheit und Selbstbewusstsein. Wiederholung bauen Vertrauen auf. Was uns bekannt ist, erscheint uns weniger gefährlich, weniger riskant.

 

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Wie Kinder Selbstbewusstsein entwickeln

Die Geschichte von Lulu und das Selbstbewusstsein

Kinder wie Lulu haben ein gesundes Selbstbewusstsein. Erfahren Sie, wie Lulu das macht. Selbstbewusstsein

Lulu ist ein kleines Bienenmädchen. Heute ist sie zum zweiten Mal in der Schule. Die Lehrerin möchte gern mir ihr und mit den anderen Bienen-Kindern ins Gespräch kommen. Daher fragt sie: „Was habt ihr heute auf euren Pausenbroten?“. Susi meldet sich sofort und kommt auch dran: „Ich habe Waldhonig auf meinen Brot.“ Schön kommentiert die Lehrerin kurz. Dann kommt Sam dran: „Ich habe Tannenhonig mit“. Auch die anderen Kinder berichten stolz darüber, welchen besonderen Honig ihnen mitgegeben wurde. Nun ist Lulu an der Reihe. Ahnungslos und ohne jeglichen Hintergedanken sagt sie: „Ich habe Honig von der bunten Blumenwiese“. Für einen Augenblick ist es ganz still. Dann lacht Susi laut los und zeigt mit einem ihrer kleinen Finger auf Lulu. Und nun schreien alle durcheinander. „Hi, sie hat Honig von einer Blumenwiese!“ Die Lehrerin ist gegen die Übermacht der Kinder machtlos. Schnell lenkt sie das Gespräch auf ein anderes Thema. Doch für Lulu ist das Gespräch noch immer präsent in ihrem Kopf. Sie ist klug und hat sehr wohl verstanden, dass die Blumenwiese nicht gut ankommt. Na ja, so eine Blumenwiese ist auch nicht´s besonderes und schon gar nicht mit einem Tannen- oder Ahornhonig zu vergleichen. Doch er schmeckt und nährt, wie die anderen Honigsorten.

Am nächsten Tag scheint sich das Spiel zu wiederholen. Alle Kinder haben besondere Honigsorten, nur sie eine gewöhnliche. Doch Lulu hat nicht vor, sich einschüchtern zu lassen. Und so macht sie sozusagen den Bock zum Gärtner. Als sie an der Reihe ist zu berichten, spricht sie nicht von einer beliebigen Blumenwiese. Nein, sie sagt: „ Ich habe Honig von der Blumenwiese von der die Königin gefüttert wird.“ Wieder trat ein kurzes Schweigen ein. Doch es war ein anderes Schweigen. In den Gesichtern der Kinder stand Erstaunen und Achtung. Das hatten sie nicht erwartet. So etwas besonderes hatten sie nicht zu bieten. Nun musste Lulu erzählen, wie sie dazu gekommen ist. Was Lulu gern und ausführlich tat. Selbstbewusstsein      

Wenige Tage später machten die ganze Gruppe einen Ausflug zur Blumenwiese, um sie mit eigenen Augen zu sehen und ihren Duft aufzunehmen. Wie wunderschön, diese Vielfalt, diese verschiedenen Düfte, dieses Leben – und sie durften Teil davon sein. Am Abend waren erschöpft von den vielen Eindrücken, aber glücklich, denn sie hatten „hart gearbeitet“ beim Nektarsammeln.

Lulu wurde nie wieder gehenselt oder verlacht. Alle akzeptierten ihre Entscheidung  für die Blumenwiese.

3 Tipps, wie Sie die Herausbildung und Entwicklung von Selbstbewusstsein erfolgreich verhindern.

1. Verhindern Sie, dass Ihr Kind etwas selbstständig versucht, was es noch nie getan hat. Die Gefahr, dass der Versuch misslingt ist viel zu groß. Dann kommt die Enttäuschung. Viel besser ist es alle Gefahren schon im Vorfeld zu beseitigen.
2. Falls es Ihrem Kind dennoch einmal gelungen ist, erfolgreich etwas Neues ohne Sie zu machen, dann loben Sie auf keinen Fall. Weisen Sie darauf hin, dass es lediglich Glück hatte. Selbstbewusstsein mag Lob.
3. Schuldzuweisungen sind perfekt, um auch nur jeden noch so zarten Sproß an Selbstbewusstsein zu vernichten. Gute Schuldzuweisungen beginnen oft mit „Warum hast du…..?“

Mädchen lernen mangelndes Selbstbewusstsein.

Von meinem Kollegen Beratern und Coachs höre ich häufig Verwunderung über das offensichtlich mangelnde Selbstbewusstsein von Frauen. Unverständlich ihr Verhalten, so meinen einige Kollegen. „Sie haben eine gute Idee oder ein schönes Produkt und haben Hemmungen es auf den Markt zu bringen, weil es angeblich nicht perfekt ist.“ Ähnliches ist auch auf den Arbeitsmarkt zu beobachten. Oft habe ich Frauen sagen hören: „… ich muss erst mal beweisen was ich kann. Dann kann ich mehr Geld verlangen.“ . Woher kommt das nur? Es klingt im ersten Moment unwahrscheinlich, aber das Verhalten wird in der Schule und vermutlich auch in vielen Elternhäusern anerzogen.

SelbstbewusstseinMachen wir einen kleinen Ausflug in die ersten Schuljahre. Entsprechend der natürlichen Entwicklung sind die Mädchen im Vergleich zu den Jungen ruhiger, fleißiger und disziplinierter, während Jungen eher unaufmerksam werden und einen höheren Bewegungsdrang haben. Ein Verhalten, was Lehrer oft als undiszipliniert interpretieren. Und es passt ja auch nicht in das Bild von Schule – 45 Minuten still sitzen und zuhören und fünf Minuten Pause für die Bewegung. Es ist daher wenig verwunderlich, dass Mädchen bessere Bewertungen in Fleiß, Ordnung und Disziplin erhalten und dafür gelobt werden. Sie entsprechen genau dem Verhalten, was erwartet und als Schulreife interpretiert wird. Jungen hingegen werden eher für ihr Wissen und Können gelobt. Beobachtungen haben überraschend ergeben, dass Jungen, wenn sie Probleme haben, eher Hilfe erhalten als Mädchen in ähnlicher Situation. Bewusst oder unbewusst werden an Mädchen und Jungen unterschiedliche Bewertungsbotschaften ausgegeben. Schließlich definieren sich Jungen eher über eine Gruppenzugehörigkeit und ihre Rolle darin und Mädchen eher über die Leistung. Sie wollen zeigen was sie können und dafür geachtet werden. Und das Selbstbewusstsein leidet, wenn dieses Bedürfnis nicht befriedigt wird. Diese Erfahrung sitzt tief im Unterbewusstsein und wird kaum nachgefragt oder gar hinterfragt. Nur das Unterbewusstsein erinnert sich sobald ähnliche Situationen auftreten und reagiert dann auf die gelernte Art und Weise.

Auch Selbstbewusstsein ist eine der Fähigkeiten, die sich schon früh in der Kindheit herausbildet oder auch nicht.