Können Augenstellungen helfen eine Lese- Rechtschreibschwäche zu überwinden?

Über die Augen nehmen wir Informationen aus der Umwelt auf. Doch nicht nur das. Eine bestimmte Stellung der Augen kann auch die Überwindung einer Lese- Rechtschreibschwäche unterstützen.

Ca. 80% aller Informationen nehmen wir visuell auf und speichern diese bildhaft ab. Wer unter einer Lese- Rechtschreibschwäche leidet, hat Probleme Symbole und Wörter zu visualisieren. Daher werden die Wörter auch oft, selbst innerhalb eines Textes, unterschiedlich geschrieben. Sie können nun als Elternteil die richtige Schreibweise üben, doch diese wird schnell wieder vergessen. Die richtige Schreibweise ist ebenso abgespeichert, wie alle möglichen fehlerhaften Schreibweisen. Die Betroffenen wissen nun nicht, welche die richtige Information ist.

Wo genau ist eine korrekte Information abgespeichert und wie kann jemand mit einer Lese- Rechtschreibschwäche diese finden und von falschen Schreibweisen unterscheiden? Wer viel mit dem Computer arbeitet wird wissen, wie wichtig eine systematisierte Ablage ist, um Dateien wiederzufinden. So ähnlich ist es auch beim Abspeichern und Wiedererinnern von Informationen. Im Computer legen wir Verzeichnisse an. Diese dienen uns als Hilfsmittel.

Für das Abspeichern und das Auffinden von Informationen in unserem Gehirn können wir als ein Hilfsmittel die Augenstellungen nutzen.

Bei jedem Gespräch, was wir führen und bei jedem Gedanken, den wir verfolgen, bewegen sich unsere Augen. Dahinter steckt eine Strategie. Die Augenbewegungen unterstützen den Suchprozess nach Informationen in unserem Gehirn. Genau diese Fähigkeit kann auch bei Lese- Rechtschreibschwäche für das Abspeichern und Wiedererinnern der richtigen Schreibweise eines Wortes genutzt werden.

Aus empirischen Beobachtungen wissen wir, dass viele Menschen die Augen nach oben richten, wenn sie nach Bildern im Kopf suchen. Dies passiert automatisch und unbewusst. Es ist kaum möglich, Augenbewegungen über einen längeren Zeitraum zu kontrollieren. Beim Einprägen und Wiedererinnern einer Schreibweise können bei einer Lese- Rechtschreibschwäche die Augenstellung bewusst genutzt werden. Dafür sind die Augen nach oben zu richten, um den visuellen Zugang optimal zu nutzen.

Wo genau in unserem Kopf ist eine konkrete Information abgespeichert und wie kann ein Kind mit einer Lese- Rechtschreibschwäche diese finden?

Obwohl unser Gehirn nicht genau wie ein Computer arbeitet, soll dieser Vergleich zum Verständnis dienen. Wenn wir z. B. die Abspeicherung aller Texte und aller Dateien, die wir schreiben, dem Computer überlassen würden, wäre es wahrscheinlich sehr schwer und zeitaufwendig, um einen konkreten Text wiederzufinden. Daher geben wir den Texten einen Titel, legen Verzeichnisse und Unterverzeichnisse an, sortieren nach Schlagwörtern oder Datum. Wir nutzen also eine Reihe von Hilfsmitteln, um die Dateien wiederzufinden.Lese- Rechtschreibschwäche

Für die Abspeicherung und das Auffinden von Informationen in unserem Gehirn können wir als ein solches Hilfsmittel unsere Augen bzw. unsere Augenbewegungen nutzen.

Wenn Sie bei Gesprächen die Augenbewegungen Ihres Gesprächspartners beobachten, werden Sie feststellen, dass die Augenbewegungen den Suchprozess nach den Gedanken unterstützen. Genau diese Fähigkeit kann auch ein Legastheniker für das Abspeichern und Wiedererinnern der richtigen Schreibweise von Wörtern nutzen.

Aus Erfahrungen wissen wir, dass sich bei den meisten Menschen die Augen nach oben bewegen, wenn nach visuell gespeicherten Informationen im Kopf gesucht wird. Beim Einprägen einer Schreibweise können daher Legastheniker die Augenbewegungen nutzen. Dafür sind die Augen nach oben zu richten, um den visuellen Zugang optimal zu erreichen. (dieser Zugang ist individuell zu prüfen!)

Hier nun eine konkrete Anleitung, wie ein Kind mit einer Lese- Rechtschreibschwäche neu zu lernende Wörter abspeichern kann.

 


Die 5 Schritte

  1. Lassen Sie das zu lernende Wort richtig auf eine Seite Papier o. ä. aufschreiben.
  2. Lassen Sie es „gestalten“. Das kann eine Umrandung, wie ein Bilderrahmen sein oder eine farbige Gestaltung. Das ist so, als würde man einer Datei einen Titel geben.
  3. Halten Sie das Geschriebene so, dass die Augen des Kindes nach links oben gehen müssen, um es erfassen zu können.
  4. Nehmen Sie das Geschriebene weg und fordern Sie das Kind auf, sich die Schreibweise in Gedanken vorzustellen.
  5. Lassen Sie mehrmals buchstabieren.